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Morgens oder abends schlucken?

Mittel gegen hohen Blutdruck
Lange hieß es, Blutdrucksenker sollten morgens eingenommen werden. Dann wurde wieder zur abendlichen Einnahme geraten. Was stimmt denn nun?
Weniger Schlaganfälle durch abendliche Blutdrucksenkung
2019 machte eine spanische Studie zur Blutdrucksenkung Furore. 19.000 Hochdruckpatient*innen hatten daran teilgenommen. Die eine Hälfte nahm ihren Blutdrucksenker abends, die anderen morgens ein. In den sechs Jahren der Studie hatten diejenigen, die ihre blutdrucksenkende Medikation vor dem Zu-Bett-Gehen schluckten, ein deutlich verringertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herztod. Grund genug, Hypertoniker*innen die abendliche Tabletteneinnahme zu empfehlen.
Zweifel am Studienaufbau
Doch schon damals gab es Zweifel an der gefeierten Studie. Expert*innen kritisierten beispielsweise den Studienaufbau. Außerdem waren die Blutdruckunterschiede in den beiden Einnahmegruppen eigentlich zu gering, um die deutlichen Unterschiede bei der Anzahl der Herzerkrankungen zu erklären. Britische Forscher*innen starteten deshalb eine Untersuchung mit rund 21.000 Hochdruckkranken, von denen ebenfalls die eine Hälfte ihre Blutdrucksenker morgens, die andere abends einnahm.
In beiden Gruppen erwies sich die Anzahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund von Herzinfarkt oder Schlaganfall als gleich. Auch die Zahl der gefäßbedingten Todesfälle unterschied sich nicht. Ob morgendliche oder abendliche Einnahme der Blutdrucktabletten, in puncto Herzgesundheit war keine Einnahmezeit besser als die andere, betonen die Autor*innen.
Tageszeit egal – Hauptsache einnehmen
Die eigentliche Botschaft dieser Studie ist einfach: Patient*innen sollen ihre Blutdrucksenker zwar immer zum selben Zeitpunkt nehmen – ob aber nun morgens oder abends, spielt keine Rolle. Das wichtigste ist, dass die Tabletten überhaupt eingenommen werden.
Denn weil ein hoher Blutdruck nicht schmerzt, lässt jede zweite Blutdruckpatient*in nach zwei Jahren die Blutdrucksenker wieder weg. Und bringt damit unwissentlich Herz, Niere und Gehirn in Gefahr.
Quelle: Ärztezeitung, The Lancet
Hitze lässt schneller altern

Auswirkung auf Lebenserwartung
Die Zeit der Rente an der Sonne verbringen? Einigen erscheint der Gedanke verlockend. Doch Vorsicht: Der Umzug in warme Länder kann unter Umständen die Lebenserwartung verkürzen.
Lebensabend an der Sonne?
Viele Menschen machen sich darüber Gedanken, wo sie sich in der Rente niederlassen wollen. Der Süden erscheint auf Grund der höheren Temperaturen dann oft verlockend. Allerdings ist schon lange bekannt, dass Hitze alte Menschen besonders belastet. Sie leiden häufiger an chronischen Erkrankungen wie Herzproblemen oder Diabetes, und allgemein nimmt die Anpassungsfähigkeit des Körpers an Umwelteinflüsse ab. Was bedeutet das nun für den Altersruhesitz im Süden? Damit hat sich die Forschung in den letzten Jahrzehnten beschäftigt.
Die Rolle der Zellalterung
Die Hitzebelastung des Körpers lässt sich zum Beispiel an der Zellalterung beurteilen. Entspricht diese dem Alter des Menschen nach Jahren, dem „chronologischen“ Alter, oder altern die Zellen schneller? Je älter die Zelle ist, desto schlechter kann sie sich an äußere Einflüsse anpassen. Schwere Erkrankungen werden häufiger, die Heilung wird schlechter und die Sterbewahrscheinlichkeit steigt. Die Zellalterung kann mit der „epigenetischen Uhr“ beurteilt werden. Dabei wird aus Blutproben der sogenannte Methylierungsgrad der DNA bestimmt – und dieser sagt wiederum, wie gut es noch um die Anpassungsfähigkeit der Zelle steht.
Temperatur und Zellalterung
In einer US-Studie wurde mit dieser Methode über 6 Jahre der Effekt der Außentemperaturen auf die Zellalterung von Personen über 55 Jahren untersucht. Das Ergebnis: Waren die Testpersonen über längere Zeit höheren Temperaturen ausgesetzt, etwa bei langandauernden sommerlichen Hitzewellen, alterten ihre Zellen schneller. Je nachdem, welches Rechenmodell zur Auswertung benutzt wurde, um etwa 0,5-2,5 Jahre zusätzlich zum chronologischen Alter.
Bei der älteren, aber größeren deutsche KORA-Studie wurden noch mehr Rechenmodelle ausprobiert, und es ergaben sich 1,8-11,7 Jahre zusätzlich. Der größere Effekt ergab sich bei Frauen, bei übergewichtigen Individuen und Diabetiker*innen. Gerade diese Personengruppen sollten sich also ganz besonders gut überlegen, ob das Klima im Süden auf Dauer für sie geeignet ist.
Quellen:
- KORA-Studie auf Sciencedirect (Deutschland)
- ScienceAdvances-Studie (USA)
Hitzestress bei Depression

Was ist die Ursache?
Menschen mit Depressionen leiden häufiger unter Hitze. Doch warum ist das so?
Hitze als Nebenwirkung
Als Ursache wurde lange angenommen, dass Antidepressiva die Hitzetoleranz verringern. Eine seltene Nebenwirkung von bestimmten Antidepressiva, den Serotinon-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI), ist die deutliche Erhöhung der Körperkerntemperatur. Daher liegt die Idee nahe, dass die Medikamente auch die verminderte Hitzetoleranz bei Depression verursachen könnten. Forschende der Universität Pennsylvania stellen das nun in Frage.
4 Gruppen untersucht
Die Forschenden haben dazu mehrere Gruppen an Patient*innen untersucht. Drei Gruppen litten an Depression, davon wurde eine Gruppe mit SSRI behandelt, eine mit SNRI (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmern) und eine Gruppe erhielt gar keine Antidepressiva. Die vierte Gruppe hatte keine Depression und diente als Vergleich. Alle Gruppen wurden über einen speziellen Anzug mit warmem Wasser umspült. Danach wurde gemessen, wann die Proband*innen zu schwitzen begannen und wie sehr die Körpertemperatur anstieg.
SSRI fördern Schweißbildung
Das Ergebnis: Die Gruppe mit Depression, die keine Medikamente erhielt, fing später an zu schwitzen als Menschen ohne Depressionen. Dadurch erhöhte sich deren Körpertemperatur. Durch Schwitzen wird Wärme aus dem Körper abgeleitet, die Körpertemperatur also reguliert. Das gleiche galt auch für Menschen mit Depression, die SNRI erhielten. Bekamen die Probanden dagegen SSRI, begannen diese fast so stark zu schwitzen wie die Probanden, die keine Depression hatten. Entgegen früherer Annahmen scheint die geringerer Hitzetoleranz bei Depression also an der Erkrankung selbst zu liegen und nicht an den Medikamenten. Mehr noch, SSRI könnten den Hitzestress sogar verringern.
Quelle: Ärzteblatt
Kein Survival-Schwimmen für Babys!

Gefährlich statt lebensrettend
Videos von Babys, die scheinbar mühelos im Wasser treiben oder sich selbst retten, gehen in den sozialen Medien millionenfach viral. Doch steckt hinter dem sogenannten Survival-Schwimmen wirklich ein Sicherheitsgewinn – oder birgt der Trend sogar Risiken?
Baby soll sich selbst retten
Ein wenige Monate altes Baby fällt ins Wasser, dreht sich selbstständig auf den Rücken und treibt ruhig an der Oberfläche. Solche Videos sorgen in sozialen Netzwerken nicht nur für Staunen. Sie vermitteln vielen Eltern den Eindruck, dass sich Säuglinge durch ein spezielles Training vor dem Ertrinken schützen lassen.
Kein Wunder, dass immer häufiger entsprechende Kurse angeboten werden oder einige Eltern dies sogar in Eigenregie üben wollen. Die Säuglinge und Kleinkinder sollen dabei lernen, sich nach einem Sturz ins Wasser eigenständig in eine Rückenlage zu drehen und dort zu treiben, bis Hilfe eintrifft. Mit dieser Technik sollen schon die Kleinsten sicher vor dem Ertrinken geschützt sein.
Fake-Videos täuschen
Genau das ist jedoch ein gefährlicher Irrtum. Fachleute betonen: Kein Schwimmkurs kann ein Baby oder Kleinkind „wassersicher“ machen. Selbst Kinder, die entsprechende Übungen beherrschen, können in einer realen Notsituation anders reagieren – etwa durch Panik, Erschöpfung oder ungünstige Strömungsverhältnisse.
Zudem sind die genannten Videos offenbar Fake; Sie zeigen trainierte Kinder, geschnittene Sequenzen und kontrollierte Situationen, die sich nicht auf reale Unfälle übertragen lassen. Eltern sollten sich davon nicht verunsichern lassen, sage Expert*innen und raten vom sogenannten Survival-Schwimmen ab.
Babyschwimmen hat andere Ziele
Ganz anders sieht das mit dem klassischen Babyschwimmen aus: Hier stehen nicht Schwimmtechniken oder Selbstrettung im Vordergrund, sondern die gemeinsame Zeit im Wasser. Die Kurse fördern die Eltern-Kind-Bindung, ermöglichen erste positive Erfahrungen mit Wasser und unterstützen spielerisch die motorische Entwicklung. Leistungsdruck oder Angst haben dabei keinen Platz.
Der beste Schutz vor Ertrinken
Kinderärzt*innen und Wasserrettungsorganisationen sind sich einig: Die wichtigste Maßnahme gegen Badeunfälle ist die lückenlose Aufsicht. Schon wenige Zentimeter Wasser können lebensgefährlich werden – im Planschbecken, Gartenteich oder in der Badewanne. In solch flachen Wasseransammlungen ertrinken die meisten Kinder. Das größte Risiko haben dabei nicht Säuglinge und Babys, sondern Kleinkinder von ein bis drei Jahren. Eltern sollten deshalb:
- Kinder am und im Wasser niemals unbeaufsichtigt lassen,
- immer in Griffweite bleiben, wenn kleine Kinder baden,
- Pools und Gartenteiche sichern,
- Schwimmhilfen nur als Unterstützung, nicht als Sicherheitsgarantie betrachten und
- Kinder frühzeitig an Wasser gewöhnen und später altersgerecht schwimmen lernen lassen.
Quelle: ptaheute























